Archive (Admiralspalast)

Konzertkritik: Archive
Price:
41,95 €

Reviewed by:
Rating:
3
On 21. November 2016
Last modified:6. Mai 2022

Summary:

Ich verließ den Saal schonmal in Richtung Garderobe, als ich hörte, dass da doch noch eine letzte Zugabe als einfaches klavierbegleitetes Stück gegeben wurde: „You used to lift me up, now you get me down...“ ein recht treffendes Fazit des Abends.

Beim letzten Konzert im Huxley’s lobte ich die Stimmen und die Musik, kritisierte aber die Bühnenshow. Ich war gespannt, was Archive nun vier Jahre später im Admiralspalast auf die Bühne bringen.

Zunächst mal einen Support. Der bestand aus der Kombo Dr (Dr)one aus Paris, die entgegen ihres Namens doch relativ zugängliche Musik macht. Vornehmlich in den tieferen Tonlagen verortet und mit gelegentlichem Gesang überlagert fand ich das ganz angenehm als Einstieg. Bisweilen fühlte ich mich auch an ältere Archive-Stücke erinnert, die Wahl als Vorband war also eine gute. Kurzum, auch eine Band, die ich mir mal in den Musikdiensten abonnieren werde.

Dann folgte eine halbstündige Umbaupause, die schonmal erahnen ließ, dass mein Kritikpunkt bezüglich der Bühnenshow diesmal nicht mehr greifen würde. Vor der Bühne wurde ein riesiger Fadenvorhang aufgehängt, im Hintergrund fand sich ein großes LED-Display. Beides konnte jeweils unterschiedlich mit Mustern oder Bildern bespielt werden und so der Bühne Dreidimensionalität verleihen. Die Band war zwar für die Hälfte des Konzerts hinter dem Vorhang nur als Silhouetten zu erkennen, aber da Archive sowieso nicht gerade für ausschweifende Interaktion mit dem Publikum bekannt sind, kann man das mal machen.

Was die Bühnendeko diesmal besser machte, vermisste ich dafür aber musikalisch. Die letzten zweieinhalb Alben der Trip-Hopper Slash Progressive-Rocker haben mich zwar nicht gänzlich überzeugen können, enthielten aber immerhin ein paar Stücke, die ich gut fand – gespielt wurden die anderen. Es dauerte fast eine Stunde bis mit Holly Martin die derzeit einzige Frau des 10köpfigen Kollektivs auf der Bühne stand und mit „Hatchet“ das erste Stück sang, das mich berühren konnte.

ArchiveDanach verlor sich das Konzert schnell wieder im Bombast, der mich trotz der sehr fotogenen Optik eher langweilte. Die falschen Stücke wurden in den einsetzenden Applaus hinein schier endlos verlängert, und selbst das eigentlich großartige „Bullets“ kam mir durch die zu Brei geratene Tonmischung verhunzt vor. Als kurz vor Schluss voller Inbrunst „Feel it!“ ins Mikro gerufen wurde, war meine innerliche Antwort nur „sorry, aber heute nicht“.

Einen letzten Lichtblick gab’s doch noch mit dem beklemmenden „Controlling Crowds“, dem titelgebenden Stück des Albums, das mich seinerzeit auf den Archive-Geschmack brachte. Aus die Maus und ich verließ den Saal schonmal in Richtung Garderobe, als ich hörte, dass noch eine letzte Zugabe als einfaches klavierbegleitetes Stück gegeben wurde: „You used to lift me up, now you get me down…“ ein recht treffendes Fazit des Abends.

Fazit

Es gab im Saal Leute, die auf ihre Kosten kamen, aber ich gehörte nicht dazu. Es ist schwer auszumachen, warum… ich würde sagen zuviel Show, zu wenig Seele.

3
Ticketpreis: 41,95 €

One thought on “Archive (Admiralspalast)

  1. gunter g.

    Das habe ich wirklich ähnlich empfunden. Vorallem hat mich der wirklich misserable und übersteuerte Sound im Admiralspalast gestört. Der Engel – Holly Martin konnte leider auch das Steuer nicht herumreißen. Wirklich schade.

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