King Hannah (Lido)

Konzertkritik: King Hannah
Price:
30,80 €

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3
On 26. Juni 2025
Last modified:25. September 2025

Summary:

Mir fehlt der Vergleich, vielleicht haben sie nur einen schlechten Abend erwischt. Ich habe heute aber nicht das Verlangen entwickelt, mir King Hannah noch ein zweites Mal anzuschauen.

Kein Konzert, auf das ich schon seit Ewigkeiten hinfiebere. Aber da ich mir ja öfter auch mal kleinere Acts anschaue, die vermutlich nicht von den Krümeln leben können, die ihnen die Streaming-Industrie übrig lässt, hat’s mich heute mal wieder ins Lido verschlagen.

Meagre Martin

Unterstützung gibt’s heute von Meagre Martin. Eigentlich ein klassisches Power-Trio mit E-Gitarre, Bass und Schlagzeug stehen sie heute mit einer weiteren Gitarristin auf der Bühne. Der Stil wird auf einem Insta-Slide als „Lo-Fi/New Americana“ beschrieben. Ersteres höre ich jetzt nicht unbedingt raus. Zweiteres passt aber ganz gut und erklärt auch meine Überraschung darüber, dass sie einer kurzen Recherche zufolge in Berlin heimisch sind. Der Gesang der Sängerin gefällt sicherlich nicht jedem, aber die Musik klingt in meinen Ohren trotzdem ganz gut und man merkt ihnen auch an, dass sie Spaß dran haben. Ich werde ihnen jedenfalls mal auf den üblichen Kanälen folgen.

Beim Haupt-Act King Hannah handelt es sich um ein Duo bestehend aus Hannah Merrick and Craig Whittle aus Liverpool. Die beiden veröffentlichen seit fünf Jahren Musik und haben es seitdem auf zwei Alben und eine EP gebracht. Die Musik ist in der Regel getragen und lebt vom lasziv anmutenden, teilweise eher gesprochenen Alt-Gesang von Merrick. Unterlegt wird das Ganze mit mal sparsamer Begleitung, mal lautstark ausladenden Gitarrensoli Whittles. Bei einigen Stücken fühle ich mich an Filme wie From Dusk till Dawn erinnert, in denen ich sie mir als Soundtrack gut vorstellen könnte.

Angesichts der noch überschaubaren Diskografie gehe ich davon aus, dass ich das meiste kennen müsste. Trotzdem dauert es bis kurz vor der Zugabe, als mit „The Mattress“ das erste Stück gespielt wird, das sich in meiner Sammlung findet. Im Nachhinein stelle ich fest, dass das auch das einzige Stück des aktuellen Albums „Big Swimmer“ ist, das es in meine Sammlung geschafft hat. Die übrigen gespielten Stücke sind zwar in meinen Ohren keine Hits, aber nun auch nicht so schlecht live anzuhören, dass ich reißaus nehmen möchte.

King Hannah

Trotzdem holt mich das Konzert nicht so recht ab. Was ich eingangs noch als lasziven Gesang beschrieben habe, entpuppt sich in Intonation und Gestus auf dem Konzert eher als gelangweilt. Die Sängerin macht mir nicht den Eindruck, dass sie da gerade ihren Lebenstraum verwirklicht. Zudem scheint sie sich für meinen Geschmack zu sehr auf den Klang ihrer (zugegeben schönen) Stimme zu verlassen. Sie hängt sich zwar auch bei den meisten Stücken eine Gitarre um den Hals, scheint damit aber nicht allzuviel anfangen zu können. Ganz akkurat setzt sie ein Capo an, um es kurz darauf wieder abzunehmen, als ob sie sich im Stück geirrt hat. Dann setzt sie’s wieder im gleichen Bund an, nimmt es wieder ab, setzt wieder an – und haut dann in die Saiten, ohne dass ich den Eindruck habe, der Verstärker ist eingeschaltet. Dem gegenüber bin ich vom Gitarrenspiel von Craig Whittle ziemlich beeindruckt. Der beherrscht sein Instrument, legt sich ins Zeug, spielt mit den Dissonanzen und hat ein so gutes Taktgefühl, dass es mir auffällt. Er dominiert den musikalischen Klang, unterstützt von Schlagzeug und Bass im Hintergrund.

Der Funke will aber nicht so recht aufs Publikum überspringen. Die Ansagen zwischendurch zünden nicht, einmal muss Merrick nachfragen, ob man sie überhaupt hört, weil keine nennenswerte Reaktion kommt. Jemand wünscht sich nach Ansage des letzten Songs „Crème Brûlée“, von dem eine andere Person in meiner Nähe auch vor dem Konzert geschwärmt hat. Der Wunsch wird nur mit dem Zucken einer Augenbraue quittiert und auch in der Zugabe unerfüllt bleiben.

Fazit

Mir fehlt der Vergleich, vielleicht haben sie nur einen schlechten Abend erwischt. Ich habe heute aber nicht das Verlangen entwickelt, mir King Hannah noch ein zweites Mal anzuschauen.

3
Ticketpreis: 30,80 €

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