GoGo Penguin (Kesselhaus)

Konzertkritik: GoGo Penguin
Price:
45,75 €

Reviewed by:
Rating:
4
On 22. April 2026
Last modified:23. April 2026

Summary:

Entfaltet nach wie vor seinen Reiz, das präzise Spiel ohne viel Effekt-Schnickschnack hat's mir angetan. Lediglich viel Unterhaltung zwischendurch sollte man nicht erwarten. Das Quatschen überlassen sie dem Support.

Bei GoGo Penguin bin ich Wiederholungstäter. Zum vierten Mal verschlägt’s mich mittlerweile auf ein Konzert von ihnen. Mein letzter Besuch war aber noch im vergangenen Jahrzehnt. Zeit also für ein Update.

Daudi Matsiko

Den Support gibt wieder Mal Daudi Matsiko. Beim Rückblick auf meine letzten Reviews musste ich feststellen, dass der vor einigen Jahren schonmal als Anheizer dabei war. Dass er Gogo Penguin seine Freunde nennt, ist also nicht nur so dahergesagt.

Matsikos letzter Longplayer ist etwas selbstironisch betitelt mit „The King of Misery“, und auch wenn er das Label nicht so gern hat, ist diese Beschreibung nicht weit hergeholt. Die Stücke sind sparsam instrumentiert und ziemlich deprimierend. Zwischendurch erzählt er heiter von seiner Bipolarität, Psychosen und Suizidgedanken. Ich werde das Gefühl nicht los, dass seine gute Laune und häufiges Lachen eher eine Bewältigungsstrategie sind oder er heute abend eine manische Phase erwischt hat. Obwohl ich für deprimierende Musik eigentlich ganz empfänglich bin, ist mir das dann doch ein bisschen zuviel. Eieiei… ich würde ihn gern drücken.

„And now for something completely different“. Nach dem (selbst attestierten) „Oversharer“ kommen jetzt die schweigsamen Jungs aus Manchester auf die Bühne. Die sind seit mittlerweile 15 Jahren in der Piano- Schlagzeug-Kontrabass-Kombo unterwegs, bedienen aber nach wie vor nur eine Nische. Zumindest gehören sie nicht zu den Bands, von denen wenigstens namentlich jede*r mal gehört hat.

Nick Blacka

Über die Jahre haben sie weiter fleißig Alben veröffentlicht. Wohlwollend könnte man sagen, dass sie ihrem Stil treu geblieben sind. Kritiker könnten aber auch einwenden, sie treten auf der Stelle. Um dem etwas entgegen zu setzen, gibt’s auf dem aktuellen Album „Necessary Fictions“ tatsächlich mal ein paar Experimente. Ich sehe beispielsweise heute Nick Blacka mal am E-Bass und Chris Illingworth am Synthesizer. War der Stil von GoGo Penguin auch bisher schon davon geprägt, dass sie mit klassischer Instrumentierung elektronisch anmutende Musik darbieten, so finden zwischenzeitlich auch tatsächlich elektronische Klänge und sogar vereinzelte Samples ihren Weg in die Stücke. Das meiste bleibt aber Handarbeit. Selbst wenn manche Passage auch einfach geloopt werden könnte, spielen sie das alles händisch ein – und das mit einer Präzision, die ein Metronom nicht besser hinbekäme.

In der Zugabe gibt’s dann sogar eine Premiere: Gesang in einem Stück, beigesteuert von Daudi Matsiko himself. Das ist für mich als Highlight des Abends.

Fazit

Entfaltet nach wie vor seinen Reiz, das präzise Spiel ohne viel Effekt-Schnickschnack hat’s mir angetan. Lediglich viel Unterhaltung zwischendurch sollte man nicht erwarten. Das Quatschen überlassen sie dem Support.

4
Ticketpreis: 45,75 €

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