Michael Kiwanuka (Huxley’s Neue Welt)

Konzertkritik: Michael Kiwanuka
Price:
37,15 €

Reviewed by:
Rating:
5
On 3. Dezember 2019
Last modified:30. Dezember 2019

Summary:

Weder der teilweise etwas dürftige Sound im Huxley's, noch die mitten in den Stücken plappernden Mädels vor mir konnten mir die Stimmung versauen. Meine hohen Erwartungen wurden voll und ganz erfüllt. Ich würde jederzeit wieder hingehen.

Seit zwei Jahren warte ich nun schon darauf, ihn abseits eines Festivals auf einem Konzert zu sehen. Unterdessen erschien vor einigen Monaten ein neues Album, das mich ziemlich begeistert hat. Enorme Erwartungen also an Michael Kiwanuka, ob das gutgehen kann?

Bevor diese Frage geklärt werden kann, gibt’s erstmal eine Vorband. In diesem Fall handelt es sich wohl um die größte, die ich bislang bewundern konnte. Neben der namensgebenden Sängerin Celeste finden sich noch fünf weitere Musiker auf der Bühne. Gespielt wird gemütlich groovender Soul, den ich mir gut in einer Lounge oder klassischen Cocktailbar vorstellen kann. An ihrer Bühnenpräsenz kann Celeste allerdings noch schrauben, ihr starrer Blick und die ziemliche Regungslosigkeit passen nicht so recht zu den gefühlvollen Texten die sie mit exzellenter Gesangsstimme vorträgt. Die Begleitmusiker wirken zumindest mehr bei der Sache als die Künstlerin selbst.

Celeste

Nach dieser Einstimmung geht’s dann aber endlich los mit Michael Kiwanuka. Das erste Stück beginnt mit langsamen Vierteln der Basstrommel, die sich sofort in meine Seele stampfen. Mir wird schnell klar, dass das hier kein Konzert sein wird, bei dem ich eine Weile brauche, um mich drauf einzulassen. Der Beat gehört zur Intro von „Piano Joint“, einem meiner Lieblingsstücke des neuen Albums. Ein starker Einstieg, gefolgt von „You ain’t the Problem“, einem der wenigen Stücke des Briten, dem ich das Prädikat „lebensfroh“ geben würde. Aber wer meine Reviews verfolgt, wird schon festgestellt haben, dass „Fröhlichkeit“ bei mir häufiger Ausschluss- als Qualitätskriterium ist. Und auch wenn ich mich sicherlich nicht in allen Texten wiederfinde, auf die eine oder andere Art berührt mich dann doch fast jedes seiner Stücke.

Ich hab’s ja eingangs schon erwähnt: das aktuelle, schlicht „Kiwanuka“ betitelte Album gehört für mich zu den Highlights des Jahres, ebenso wie seinerzeit der Vorgänger „Love & Hate“. Beide wurden übrigens von Danger Mouse produziert, dessen Bands Broken Bells oder Gnarls Barkley eventuell mehr Leuten ein Begriff sind. Der Mann hat in den letzten Jahren so einige Alben produziert, die eine wie ich finde sehr markante Handschrift tragen. Da sich darunter sich so illustre Künstler wie die Black Keys, die Chili Peppers, U2 oder die Sängerin Norah Jones finden, frage ich mich, wieviel des Sounds von den jeweiligen Künstlern und wieviel vom Produzenten beigesteuert wird.

Wenn ich mir allerdings die Liveauftritte Michael Kiwanukas anschaue, habe ich wenig Zweifel daran, dass der Mann auch unabhängig von Produzenten hervorragende Musik macht. Man erkennt Vollblut-Musiker ganz gut daran, dass sie nicht nur ihre Studioalben möglichst originalgetreu wiedergeben. Live werden Stücke neu interpretiert und ausgeschmückt. Nicht mal die Instrumentierung bleibt als Konstante: kürzlich gab Kiwanuka bei RadioEins ein Loungekonzert in Sparbesetzung nur mit seiner Akustikgitarre und Background-Sängerinnen, bei dem ich dennoch nicht das Gefühl habe, dass etwas fehlt.

Ich könnte jetzt noch eine Weile lobhudeln, aber ich denke, ich konnte meine Begeisterung ausdrücken. Zum Abschluss daher lieber noch ein bisschen useless trivia: Ich habe heute gelernt, dass Michael Kiwanukas erstes Musikvideo in Berlin gedreht wurde. Guck mal einer schau.

Fazit

Weder der teilweise etwas dürftige Sound im Huxley’s, noch die mitten in den Stücken plappernden Mädels vor mir konnten mir die Stimmung versauen. Meine hohen Erwartungen wurden voll und ganz erfüllt. Ich würde jederzeit wieder hingehen.


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5
Ticketpreis: 37,15 €

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